Fast jedes zweite Unternehmen wurde innerhalb eines Jahres mit Ransomware angegriffen. Jedes fünfte betroffene Unternehmen hat bereits Lösegeld gezahlt – teilweise mehr als eine Million Euro. Doch selbst eine Zahlung garantiert weder die Rückgabe der Daten noch deren Geheimhaltung. Fünf Maßnahmen helfen Betrieben, sich auf den Ernstfall vorzubereiten.
Ein Klick auf einen manipulierten Anhang, ein kompromittiertes Benutzerkonto oder eine Sicherheitslücke kann genügen: Cyberkriminelle dringen in Unternehmensnetzwerke ein, verschlüsseln Daten und verlangen Geld für deren Freigabe. Immer häufiger kopieren sie Informationen zusätzlich und drohen damit, diese zu veröffentlichen oder zu verkaufen. Wie verbreitet solche Angriffe sind, zeigt eine aktuelle Befragung des Digitalverbands Bitkom. 45 Prozent der Unternehmen waren innerhalb der vergangenen zwölf Monate von einem Ransomware-Angriff betroffen. Bei 25 Prozent aller befragten Unternehmen entstand dadurch ein Schaden. Von den betroffenen Unternehmen haben 20 Prozent bereits Lösegeld gezahlt. Die Beträge können erheblich sein: 24 Prozent der zahlenden Unternehmen überwiesen zwischen 100.000 und 500.000 Euro, sechs Prozent zwischen 500.000 Euro und einer Million Euro. Vier Prozent zahlten mindestens eine Million Euro.
Warum Unternehmen nicht auf eine Zahlung vertrauen sollten
Eine Lösegeldzahlung löst das Problem nicht zwangsläufig. Cyberkriminelle garantieren weder, dass verschlüsselte Systeme anschließend wieder funktionieren, noch dass kopierte Daten gelöscht werden. „Jede Zahlung finanziert den nächsten Angriff“, warnt Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst. Unternehmen sollten deshalb möglichst dafür sorgen, dass sie auch ohne Kooperation mit den Erpressern handlungsfähig bleiben. Bitkom nennt dafür fünf zentrale Maßnahmen.
1. Wissen, welche Systeme vorhanden sind
Unternehmen benötigen eine aktuelle Übersicht über ihre IT-Systeme, Datenbestände, Schnittstellen und Zugänge. Nur wer seine Infrastruktur kennt, kann nach einem Angriff einschätzen, welche Systeme betroffen sind und welche zuerst wiederhergestellt werden müssen.
2. Backups vom Netzwerk trennen
Sicherungskopien sollten regelmäßig erstellt und getrennt vom produktiven Netzwerk aufbewahrt werden. Sonst besteht die Gefahr, dass Angreifer auch die Backups verschlüsseln oder stehlen.
Wichtig ist außerdem ein praktischer Test: Unternehmen sollten regelmäßig ausprobieren, ob sich ihre Daten aus den Sicherungen tatsächlich wiederherstellen lassen.
3. Benutzerkonten besser schützen
Mehr-Faktor-Authentifizierung erschwert Angreifern den Zugang, selbst wenn ein Passwort gestohlen wurde. Zugriffsrechte sollten nur so weit reichen, wie sie tatsächlich benötigt werden. Nicht mehr genutzte Benutzerkonten sollten gelöscht werden.
4. Auffälligkeiten früh erkennen
Je länger sich Angreifer unbemerkt in einem Netzwerk bewegen können, desto größer kann der Schaden werden. Protokolldaten und verdächtige Vorgänge sollten deshalb kontinuierlich überwacht werden.
5. Den Cyber-Notfall tatsächlich üben
Ein Notfallplan hilft wenig, wenn er nur auf einem Server liegt, der nach einem Angriff nicht mehr erreichbar ist. Ansprechpartner, Entscheidungswege, technische Prioritäten und Krisenkommunikation sollten deshalb vorab festgelegt und auch außerhalb der normalen IT verfügbar sein. Bitkom empfiehlt zudem, den Ernstfall zu proben. Dabei zeigt sich, ob Verantwortlichkeiten tatsächlich funktionieren und welche Informationen im Krisenfall fehlen.
Auch ein funktionierendes Backup schützt nicht vor Datendiebstahl
Backups können verhindern, dass ein Unternehmen wegen verschlüsselter Systeme vollständig von den Angreifern abhängig wird. Sie lösen allerdings nicht jedes Problem. Haben Kriminelle sensible Kunden-, Beschäftigten- oder Unternehmensdaten kopiert, können sie weiterhin mit deren Veröffentlichung drohen. Neben der technischen Wiederherstellung müssen Betriebe deshalb auch Datenschutz, mögliche Haftungsfragen und ihre Kommunikation mit Betroffenen berücksichtigen. Der wichtigste Schutz vor Ransomware besteht deshalb aus mehreren Ebenen: Angriffe erschweren, Daten sichern, Eindringlinge möglichst früh erkennen – und bereits vor dem Angriff wissen, was im Ernstfall zu tun ist.
Quelle: Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom; repräsentative telefonische Befragung von 1.003 Unternehmen in Deutschland mit mindestens zehn Beschäftigten und mindestens einer Million Euro Jahresumsatz, durchgeführt in den Kalenderwochen 16 bis 23 des Jahres 2026.



